Chronik

Ansicht als PDF


100 Jahre Junggesellenclub
Die Gründungsmitglieder
Das Jubiläumsjahr 2005



100 Jahre Junggesellenclub

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Junggesellenclub „Gemütlichkeit“ gegründet wurde, führte der Ort Arnoldsweiler ein ruhiges und beschauliches Dasein. Zu jener „guten alten“ Zeit betrachteten sich Besitzer von Fahrrädern als reiche Leute. Autos sah man sehr selten und das allgemeine Fortbewegungsmittel waren die Beine. Kino, Radio und Fernsehen gab es nicht. Eine wöchentliche Arbeitszeit von nur 40 oder gar 38,5 Stunden in der Woche war unvorstellbar, Urlaub privater Luxus.

Alle diese Umstände trugen dazu bei, dass jeder seine Freizeit im Dorf verbrachte, aber nicht zu Hause vor dem Fernseher, sondern in Gemeinschaft mit den Nachbarn oder anderen Bewohnern des Ortes. Daraus entstand ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl und man war in der Dorfgemeinschaft geborgen. Altes Brauchtum wurde gehegt und gepflegt. So war es seinerzeit üblich, dass der Sarg eines Junggesellen nur von Junggesellen getragen wurde. Sie versammelten sich dann nach dem Begräbnis zum Leichenschmaus in einem Gasthaus. Bei einer solchen Zusammenkunft entstand dann auch der Gedanke einen Junggesellenclub zu gründen. 1905 war es dann endlich so weit. Fünfzehn Junggesellen waren sich einig, die Geselligkeit pflegen und die Dorffeste gemeinsam feiern zu wollen. Schnell hatte man dann auch den passenden Vereinsnamen „Gemütlichkeit“ gefunden.


Die Gründungsmitglieder

 
      Heinrich Claßen       Winand Claßen       Bernhard Cremer      
Heinrich Kaiser Heinrich Laven Anton Nesselrath
Hyronimus Nüsser Leonard Nüsser Gottfried Reimer
Jakob Reimer Ludwig Rheinbach Anton Roß
Arnold Schaaff Ludwig Vlatten Hubert Wienands
 

Natürlich gehörte von Anfang an die Versteigerung der Dorfschönen zu den vorrangigen Aufgaben des Junggesellenclubs. Und so wurde im Gründungsjahr das erste Maispiel mit dem Königspaar Bernhard Cremer und Anna Bär gefeiert.

Diese Feier fand allerdings nur im Kreis der Mitglieder statt. Aber schon im darauf folgenden Jahr fand das Fest unter Einbeziehung der gesamten Dorfgemeinschaft statt. Aber nicht nur beim Maispiel engagierte sich der Junggesellenclub, sondern auch die Herbstkirmes wurde von den Junggesellen festlich gestaltet. So findet man im Kassenbuch folgenden Ausgabeposition:

„21. Oktober 1907 – für zwei Gänse 15 Goldmark“

Das Gänseköppen zu Kirmes war lange Zeit fester Bestandteil der Clubgeschichte. 1977 wurde es allerdings einer Änderung unterworfen, auf die im Zusammenhang mit der Geschichte der Herbstkirmes noch eingegangen wird.

Die Mitgliederzahl des Junggesellenclubs wuchs von Jahr zu Jahr. Schon 1912 startete man zum ersten Ausflug. Die Zeiten hatten sich wohl gebessert, denn alle Junggesellen waren stolze Besitzer von Fahrrädern.

So waren die Gründerjahre geprägt von echter Geselligkeit „Trauer“ herrschte immer beim Verlust eines Aktiven, der sich in das Wagnis der Ehe stürzte. Als Strafe für seine Untreue hatte er dann in der Hochzeitsnacht unter dem Streichen der „eisernen“ Junggesellen zu leiden. Manches Junggesellenleben fand so einen geziemenden Abschluss und Neubeginn als Ehrenmitglied.

Mit Beginn des 1. Weltkriegs kam dann das Vereinsleben gänzlich zum Erliegen. Von 45 Mitgliedern zogen 42 in den Krieg. Damit wurde die in den vorangegangenen Jahre hergestellte Einigkeit auf eine harte Probe gestellt. Die Eintragungen im Kassenbuch zeigen jedoch, dass die einmal geschlossene Freundschaft die Kriegsjahre überdauerte. Man kaufte Wurst und Tabak für die im Felde stehenden Mitglieder, ließ Messen für sie lesen und zahlte Kriegsunterstützung für arme Familien. So gedachte man zu Hause immer derer, die unter Einsatz ihres Lebens für Kaiser und Vaterland kämpften. Leider beklagte man bei der Wiedersehensfeier 1918 den Verlust von acht aktiven Mitgliedern. 1919 wurde bereits wieder ein Maifest gefeiert, zu dem 10 Musiker verpflichtet wurden obwohl aufgrund einer politischen Verfügung keine Musiker das Ausrufen der Maibräute begleiten durften. Im gleichen Jahr fand auch wieder eine Herbstkirmes statt. Die Bevölkerung verbrachte vier gesellige Tage gemeinsam mit unserem Kirmesonkel Zachäus, der bis dahin ein Unbekannter in unserem Dorf gewesen war. Er brachte vorher nur den Menschen im Bergischen Land die Kirmes. Durch den Redakteur einer Kölner Zeitung, Herrn Lambert Macherey, wurde dieser Brauch in Arnoldsweiler bekannt und gerne von den Junggesellen übernommen. Trotz aller Nachkriegsprobleme und der Inflation feierte man auch in dem nächsten Jahren Maifest und Kirmes. Die Mitgliederzahl sank jedoch von Jahr zu Jahr. Ab 1926 festigen sich die Verhältnisse und man begann, den Junggesellenclub wieder Schritt für Schritt aufzubauen und ihm das alte Ansehen im Dorf wieder zu geben. Das Clubleben blühte wieder auf, auch Ausflüge wurden wieder gemacht. Beim 25-jährigen Jubiläum im Jahre 1930 wurde der Junggesellen von einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern und Ehrenmitgliedern vertreten. Der glanzvolle Verlauf des Jubelfestes ließ die Zukunft im positiven Licht erscheinen, zumal die ganze Dorfbevölkerung regen Anteil am Festverlauf nahm.

Doch leider ging es bergab. Die große Arbeitslosigkeit tat auch dem Junggesellenclub Abbruch. Zu allen anderen Problemen kam noch die Einmischung der NSDAP, die unser Maispiel mit ihren Ideologien zu durchsetzen versuchte. Zum Glück misslang dieser Versuch gründlich und man überließ diesen alten Brauch wieder den Junggesellen allein. Die letzte Eintragung im Protokollbuch vor dem 2. Weltkrieg ist vom 27. Juli 1939. Sie berichtet von einer schönen Fahrt in die Eifel und den gewaltigen Befestigungswerken in der Nähe der Grenze, nicht ahnend, wie schnell diese Bauwerke ihrem eigentlichen Zweck dienen sollten.

Anfang 1946 waren noch nicht alle Bewohner in ihren Heimatort zurückgekehrt. Einzeln kamen sie aus allen Himmelsrichtungen, aus der Evakuierung oder Gefangenschaft. Sie gingen wieder an die Arbeit, um die Spuren des Krieges zu beseitigen. Bald war das Notwendigste einigermaßen wiederhergestellt. Neben der Arbeit suchte man bald auch wieder ein wenig Vergnügen. Man traf sich öfter und bald sprach man auch wieder vom Junggesellenclub „Gemütlichkeit“. Aber man sprach nicht nur darüber, sondern vereinbarte für den 27. Februar 1947 die erste Versammlung im alten Vereinslokal. Den Vorsitz übernahm das älteste Mitglied. Mit tiefer Trauer gedachte man derer, die nie mehr aus dem Feld zurückkehren würden. Überlegungen, im Jahr 1946 das erste Maifest nach dem Krieg zu veranstalten, stießen auf Probleme, die unüberwindlich schienen. Jegliche finanziellen Mittel fehlten. Würde die Behörde, die von der Besatzungsmacht dirigiert wurde, die Genehmigung zu einer Festlichkeit geben? Zusätzlich gab es eine Sperrstunde, die einen Aufenthalt außerhalb der Wohnung nach 22 Uhr verbot. Mainacht und Sperrstunde wusste man nicht miteinander in Einklang zu bringen. Doch es lief besser als befürchtet. Niemand wurde verhaftet, wie es in einigen Nachbardörfern wegen Missachtung der Sperrstunde vorgekommen war, und man zog am 30. April um Mitternacht mit dem Lied „ Der Mai ist gekommen“ auf den Dorfplatz, um altes Brauchtum wieder aufleben zu lassen. Im Nachhinein verkündeten die Junggesellen stolz, dass das Maispiel nach dem Krieg ein voller Erfolg war. Außerdem war der Junggesellenclub der erste Verein im Dorf, der mit einem Fest wieder an die Öffentlichkeit getreten war. Es ging wieder aufwärts, und bei der nächsten Clubversammlung wurde die Herbstkirmes besprochen, die wieder mit dem Kirmesonkel Zachäus begangen werden sollte. Eintrittskarten sollten nur in dem Umfang verkauft werden, wie Plätze im Saal zur Verfügung standen. Ortsbewohner hatten bei diesem Verkauf Vorrang. Diese Regelung wurde aufgrund der Erfahrung mit dem Maispiel getroffen.

Zachäus wurde trotz aller Bemühungen nicht mehr gefunden und man wusste zu berichten, dass er bei einem respektlosen Treiben von Besatzungssoldaten „Sein Leben gelassen haben soll“.

Für einen Nachwuchs-Zachäus wurde gesorgt, und er konnte Kirmessonntag 1946 am Ortsausgang nach Ellen zur Eröffnung der Kirmes abgeholt werden. Auch die Kirmesveranstaltung zeigte, wie sehr die Dorfbewohner daran interessiert waren, alte Bräuche wieder aufleben zu lassen. Damit war eine schwere Prüfung überstanden. Maispiel und Herbstkirmes blieben unlösbar mit dem Namen des Junggesellenclubs verbunden. Jahr um Jahr ging ins Land und der Club erfreute sich wieder seiner alten Beliebtheit bei der Bevölkerung des Ortes. 1955 war es dann endlich so weit. Man konnte das 50-jährige Jubiläum feiern und verband die Feier dieses Jubiläums mit den alljährlichen Kirmesveranstaltungen. Es war ein gelungenes Fest, von dem man noch lange Zeit sprach. Nach diesem Jubiläum wandte sich das Clubleben wieder seinem gewohnten Gang zu. Doch schon damals bestand es nicht nur daraus, Versammlungen abzuhalten und die beiden großen und traditionsreichen Feste des Ortes, nämlich das Maifest und die Herbstkirmes, zu veranstalten. Vielmehr wurde alljährlich ein Ausflug unternommen und ein gemütlicher Abend gefeiert. Darüber hinaus erfreuten sich bald Wiesenfeste großer Beliebtheit. Neben der Ausrichtung dieser eher internen Veranstaltungen wandte der Junggesellenclub sich mancher Aufgabe zu, die ihn fest in das dörfliche Leben einbanden. So rechneten die Mitglieder des Junggesellenclubs es sich jahrzehntelang als Ehre an, bei eucharistischen Prozessionen den Baldachin zu tragen. Am 12. September 1959 beschloss man, der Kirche einen neuen Baldachin zu stiften. Auch das große Rosenfenster über dem Haupteingang unserer Pfarrkirche ist vom Junggesellenclub gestiftet worden und das Hochkreuz auf dem Friedhof wurde bezuschusst. Sprach ich noch gerade davon, dass das Clubleben wieder seinem gewohnten Gang folgte, so gab es doch immer wieder berichtenswerte Ereignisse und Zwischenfälle. So liest man im Protokollbuch, dass noch 1956 unser damaliges Vereinslokal von Flüchtlingen belegt war, so dass man für Maiversteigerung und Maiball in den Saal in der jetzigen Arnoldusklause ausweichen musste.

Außerdem versuchten Unbekannte im Mai 1956 sich an unserem Maibaum zu vergreifen. Unser Ehrenmitglied Josef Werker überraschte sie allerdings und holte Hilfe. So konnte der Angriff auf den Dorfsmai nicht zu Ende geführt werden. Bei genauer Überprüfung der Schäden stellte man fest, dass der Baum zur Hälfte durchgesägt war. Doch auch das stellte die Junggesellen vor keine unlösbaren Probleme. Man besorgte sich schnell ein paar Eisenträger als Stützen und rettete so den Maibaum. Im Jahr darauf ging eine ähnliche Attacke auf den Dorfmai nicht so glimpflich aus. Er wurde abgesägt. Doch auch das verdross die Junggesellen nicht. Sie stellten zum Spott der Übeltäter einen neuen Baum auf.

1961 sah der Junggesellenclub einem besonderen Ereignis in seiner Clubgeschichte entgegen. Heinrich Gasper, einem langjährigen Mitglied wurde das Sakrament der Priesterweihe gespendet. Die Primizfeier, zu der auch der Junggesellenclub eingeladen war, fand am 30. Juli 1961 in der Pfarrkirche zu Arnoldsweiler statt. Dem Primizianten zur Ehre beschloss man das Dorf festlich zu schmücken. In einem Dankbrief schrieb Herr Gasper: „Ihr habt an diesem Tag Zeugnis abgelegt für Christus; Ihr habt einen Priester ehren wollen, aber gleichzeitig habt ihr dem Club den größten Dienst erwiesen, indem ihr gezeigt habt, dass Ihr noch zu euren Idealen steht und dass in Arnoldsweiler noch Manneswürde und Brauchtum bestehen.“

Im August 1966 beschloss man, die Kirmesveranstaltungen in einem Festzelt stattfinden zu lassen. Dies geschah, weil der Festwirt seinen Saal verkleidete. Im gleichen Jahr kam es zu einem Aufsehen erregenden Fußballspiel zwischen Turnverein und Junggesellenclub, dessen ansehnlicher Erlös der Lebenshilfe zur Verfügung gestellt wurde. Über den Ausgang des Spiels gibt das Protokollbuch leider keine Auskunft, was auf eine Niederlage des Junggesellenclubs hindeuten könnte. Aber auch in diesem Fall war der Zweck des Spiels, anderen Menschen zu helfen, vollkommen erreicht.

Im Jahre 1974 sah der Junggesellenclub sich veranlasst, die Folge der Kirmesveranstaltungen aus finanziellen Gründen zu ändern. Der Abschlussball am Montagabend entfiel und man veranstaltete stattdessen ein verlängertes Frühschoppen, das sich schnell großer Beliebtheit erfreute. Diese Regelung bedingte natürlich, dass das „Begräbnis des Zachäus“ auf den Nachmittag verlegt werden musste. Eine weitere Änderung wurde 1977 notwendig. Auf Betreiben der Tierschutzvereine wurde dem Junggesellenclub das „Gänseköppen“ mit toten Gänsen verboten. Damals erregte dieses Verbot die Gemüter sehr und stieß bei manchem Mitglied auf Unverständnis. Schließlich einigte man sich darauf, Attrappen zu verwenden und so das traditionelle Verfahren weitestgehend zu erhalten.

An früherer Stelle wurde bereits erwähnt, dass der Junggesellenclub immer bestrebt war, die Dorfgemeinschaft zu fördern und das Leben im Jahreslauf attraktiver zu gestalten. In diesem Sinne nehmen die Junggesellen seit vielen Jahren mit der Fußgruppe und einem Bagagewagen am Karnevalsumzug teil. Jahrelang wurden die Mitglieder bei den Vorbereitungen von Gertrud Vlatten und Konrad Geuenich unterstützt, die viele Stunden ihrer Freizeit opferten, um Kostüme zu nähen bzw. mit Farbe und Pinsel Begleitwagen zu gestalten.

Auch die Pfarrfeste wurden von Anfang an durch die Teilnahme des Junggesellenclubs bereichert. Getreu dem Wahlspruch „Gemütlichkeit“ übernahm man oft den Bierpavillon und teilweise auch den Ausschank im Johannes-Paulus-Haus. Zur Gestaltung und Vorbereitung des 75-jährigen Bestehens gründete man am 17. Juli 1977 einen Festausschuss, der als Zeichen der Zusammengehörigkeit aus aktiven Mitgliedern und Ehrenmitgliedern bestand. Der Ausschuss war in seiner mehr als zweijährigen Tätigkeit bestrebt, diesem Jubelfest einen angemessenen Rahmen zu geben, was ihm glänzend gelang.

Schon zu Karneval war der Junggesellenclub in der Zugteilnahme auf das Jubiläum und den dazugehörigen Bayrischen Abend ausgerichtet. „In diesem Jahr gaben sich die Junggesellen wegen des bevorstehenden 75-Jährigen Jubiläums im Mai als fesche Madeln und kernige Buam. Aus diesem Anlass wollte man ein schmuckes Bayernhaus auf Bendels kleinem Melkwagen errichten, der dann von Ehrenmitglied Heinz Antons zur Verfügung gestellten Traktor Bj. 52 durchs Dorf gezogen werden sollte.“ (Auszug aus dem Protokollbuch)

Am 2. Mai 1980 fand nach einem gemeinsamen Gottesdienst für die Lebenden und Verstorbenen des Junggesellenclubs der Festkommers zum 75-jährigen Jubiläum statt. Nach einem Grußwort des Vorsitzenden Arnold Werres begrüßte Ehrenmitglied Hermann Josef Geuenich alle Gäste, natürlich ganz besonders den Schirmherren Dr. Haarmann. Von Pfarrer Wyrsch wurde das neue Königspaar Klaus Kluth und Carmen Mieseler gekrönt. Die Maikönigskette wurde von Walter Bendel gestiftet. Musikalisch gestaltet wurde der Abend vom Männergesangsverein und den „Zierte Jonge“. Die Festrede hielt Herman Josef Geuenich.

Am Samstag, dem 3. Mai, ging es zum Bayrischen Abend. Das Zelt war restlos besetzt und es wurde ein gelungener Abend mit einem tollen Programm der D’Miesenbacher aus Ruhpolding, die das Chiemgau-Jodler-Duo und den Humoristen Hans Heider mitgebracht hatten. Nach diesem stimmungsreichen, aber auch langen Abend war man überrascht, schon um 10 Uhr zum Frühschoppen das Zelt gut besucht zu sehen. Das Frühschoppen ging über in einen Tanz Kaffee und ab 17.00 Uhr wurden die auswärtigen Maigesellschaften zum Festzug begrüßt. Auch der Festzug war dank der großen Beteiligung von außerhalb ein Augenschmaus, der großen Anklang bei der Dorfbevölkerung fand. Mit dem Eintreffen des Festzugs im Zelt begann gegen 19 Uhr der Maiball, der allen Gästen noch viele schöne Stunden bescherte. Die achtziger Jahre brachten dann zunächst eine Veränderung im Verlauf der Herbstkirmes. Der Sonntagabend entwickelte sich finanziell immer schwächer, so dass man hier Veränderungsmöglichkeiten suchte und für eine Reihe von Jahren auch fand. Man engagierte Künstler mit Bekanntheitsgrad, die einen ganz anderen Personenkreis am Sonntagabend ins Festzelt locken. 1985 startete man zum 80-jährigen Jubiläum mit dem Colonia Duett was gleich einen tollen Erfolg brachte.

Ebenfalls in den 80er Jahren taten sich einige Ehrenmitglieder zusammen und sorgten beim und nach dem Aufstellen des Maibaums für Speis und Trank auf dem Kirchvorplatz. Jahr für Jahr kamen mehr Leute, um die ersten Grillspeisen des Jahres zu verzehren und bei einem Gläschen Bier oder auch zwei einen gemütlichen Abend unter dem Maibaum zu verbringen. Die Einnahmen dieser Veranstaltung wurden für soziale oder kulturelle Zwecke in unserem Stadtteil verwandt bzw. für Zeiten aufgespart, in denen es dem Junggesellenclub vielleicht nicht so gut gehen könnte wie zur damaligen Zeit. Auf Drängen des Vorstandes wurden die Einnahmen dieser Veranstaltung dann ab 1992 jedes Jahr der Kasse des Junggesellenclubs zugeführt.

Ein ganz anderes Kapitel schlugen die Junggesellen 1989 auf. Auf der Versammlung am 24. Februar wurde beschlossen, zu Fronleichnam seitens des Clubs nicht nur den Baldachin zu tragen, sondern auch eine in Arnoldsweiler fast vergessene Tradition wiederaufleben zu lassen, nämlich einen Teppich aus gefärbtem Sägemehl auf dem Weg zur Kirche aufzubringen. Axel Hinzen wurde mit dieser Aufgabe betraut, die einige Jahre Bestand hatte und viel positive Resonanz bei der Dorfbevölkerung fand.

Als der Junggesellenclub 85 Jahre alt wurde, schufen die Ehrenmitglieder eine neue Tradition, die bis heute Bestand hat. Sie ließen den Junggesellenclub nicht mehr alleine fahren um den großen Maibaum zu holen, sondern begleiteten sie mit dem Fahrrad.

Am Donnerstag dem 3. Mai 1990, diente unserer Festzeit einem besonderen Anlass. Unser Stadtteil nahm Abschied von den Franziskanerinnen aus Salzkotten, die ihr Kloster in Arnoldsweiler aufgaben. Doch das Maizelt, über der Bühne geschmückt von einem Bild des HI. Arnoldus, bot genau den richtigen festlichen Rahmen, denn viele Menschen kamen, um „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Auf einem Bild von der Veranstaltung konnte ich zählen, dass 17 Ordensschwestern an diesem Abend auf der Bühne Platz genommen hatten. Die meisten Schwestern sollten laut Zeitung im Birkesdorfer Krankenhaus ein neues Betätigungsfeld finden. Drei Schwestern blieben in Arnoldsweiler im Pfarrhaus und bereicherten noch viele Jahre das pfarrliche Leben.

Auch für dieses Jubiläumsjahr hatten die Junggesellen sich etwas Besonderes einfallen lassen. Alle Ortsvereine waren eingeladen, am Sonntag an einem „Spiel ohne Grenzen“ teilzunehmen, wovon alle begeistert waren.

Die 90er Jahre begannen leider damit, dass man auf der Versammlung am 30. Mai 1990 bei vielen Mitgliedern mangelndes Clubinteresse beklagte. Auch finanziell lief nicht alles zum Besten. Der Kassenbericht nach der Kirmes führte zu dem Schluss, dass man nach neuen Ideen suchen müsse, um mehr Leute ins Zelt zu bekommen. Als Konsequenzen aus diesen Überlegungen fand die Herbstkirmes 1992 nicht mehr am 3. Wochenende im Oktober statt, sondern man veranstaltete sie am letzten Wochenende im September oder ersten Wochenende im Oktober. Auch feierte man bald nicht mehr auf dem Schützenplatz, sondern wegen der zentralen Lage auf dem Bolzplatz.

Doch die Sterne standen nicht gut in den ersten Jahren des neuen Jahrzehnts. Mehrfach legte der 1. Vorsitzende, von Mitgliedern kritisiert, sein Amt nieder, wurde dann aber immer wieder bestätigt oder neu gewählt. Vielleicht überhaupt zum ersten Mal wurde das Jahr 1992 mit einem finanziellen Minus abgeschlossen. Der Kassenbericht 1993 zeigte dann eine katastrophale Kassenlage. Zu hohe Ausgaben und drastisch zurückgehende Einnahmen und die Tatsache, dass die Junggesellen an einem kriminellen Festwirt geraten waren, hatten zu der fatalen Finanzlage geführt. Am Ende der Finanzdiskussion auf der Jahreshauptversammlung 1994 stand die Überzeugung, dass er gerade jetzt wichtig sei für die Zukunft des Clubs zu arbeiten. Die anwesenden Ehrenmitglieder erklärten sich bereit, den aktiven Mitgliedern bei dieser Aufgabe zu helfen und baldmöglichst eine Versammlung der Ehrenmitglieder einzuberufen. Auf dieser Versammlung waren 33 Ehrenmitglieder unterschiedlichen Alters anwesend und wählten aus ihren Reihen sieben Ehrenmitglieder, die den Vorstand in nächster Zeit unterstützen sollten. Es waren Helmut Aßmann, Hans Werner Gasper, Hermann Josef Geuenich, Hermann Josef Kaiser, Klaus Kluth, Peter Roß und Peter Schwier. Welch ein Glück, dass die Ehrenmitglieder, die sich „IG Mainacht“, nannten und in den achtziger Jahren den Ausschank am Maibaum betrieben hatten, einen ordentlichen „Notgroschen“ zurückgelegt hatten. Dieses Geld, das von Hermann Josef Geuenich verwaltet worden war, sicherte jetzt den finanziellen Neustart.

Die Ehrenmitglieder erklärten sich bereit, beim Maiball zu Gunsten des Clubs den Ausschank zu betreuen. Beim Frühschoppen sollten dann aktive Mitglieder den Thekendienst übernehmen. Übrigens eine Lösung, die bis 2004 Bestand hatte. Was nach dem Jubelfest zum hundertjährigen Bestehen, für das ein Festwirt gefunden wurde, sein wird, wird die Zukunft zeigen. Bei der Clubversammlung am 17. Juni 1994 konnte man jedenfalls feststellen, dass das Maispiel sehr gut über die Bühne gegangen war, nicht zuletzt dank der tatkräftigen Hilfe der Ehrenmitglieder.

Nach dieser ersten fruchtbringenden Zusammenarbeit institutionalisierte man den Beirat der Ehrenmitglieder, bestehend aus Franz Peter Antons, Helmut Aßmann, Hans Werner Gasper, Hermann Josef Geuenich, Reiner Koch, Wilfried Maubach, Leo Metzerath, Peter Roß und Arnold Werres.

Der Kassenbericht 1994 wies in finanzieller Hinsicht bereits wieder ein einigermaßen erfolgreiches Jahr aus. Obwohl die Kirmes mit roten Zahlen abgeschlossen worden war, hatte man eine kleine Rücklage bilden können. Den Problemen mit der Herbstkirmes wollte man 1995 dadurch begegnen, dass sie wieder am 3. Wochenende im Oktober stattfinden sollte und zwar nicht mehr im Festzelt, sondern im Saal der Arnoldusklause. Doch die Kirmes blieb weiterhin das Sorgenkind und verursachte jedes Jahr ein Loch in der Kasse des Junggesellenclubs, sodass man sich entschloss, keine Herbstkirmes mehr zu veranstalten. 1998 kam der Gedanke auf, ein Fest für die Ehrenmitglieder im Johannes-Paulus-Haus zu veranstalten. Das 3. Wochenende im Oktober hielt man für einen geeigneten Termin. Nachdem der Auftakt am 16.10.1999 ein großer Erfolg war, war das Herbstfest im Jahr 2000 für jedermann zugänglich. Höhepunkt dieser Veranstaltung war ein Theaterstück der Junggesellen unter Leitung von „Goldi“ Hans Peter Vlatten, das im Jahr 2000 den Titel „ Das goldene Bein“ trug. Neben den Laiendarstellern trat auch der uns schon lange bekannte Kirmesonkel Zachäus auf.

Auf der Jahreshauptversammlung 2001 verkündete der Vorstand, dass man auf ein erfolgreiches Jahr für den Club zurückblicken könne und der JKG sich, was Mitgliederzahl und Finanzen betreffe, im Aufstand befinde.

Zu Beginn des Jahres 2003 begann man mit der Vorbereitung des 100-jährigen Jubiläums im Jahre 2005. Ein Beirat aus Ehrenmitgliedern war gebildet worden, der gemeinsam mit dem geschäftsführenden Vorstand für das Gelingen des Jubiläumsfestes sorgen wird.

Ein Wermutstropfen – gerade auch mit Blick auf das Jubiläum – war der Umstand, dass niemand im Jahr 2004 die Maikönigswürde ersteigerte. Ein Maifest ohne Maikönigspaar – das hatte es in 99 Jahren noch nicht gegeben. Doch trösten die Worte des Schriftführers Stephan Bendel, der schreibt, dass die Junggesellen einen tollen Maiball erlebt hätten, auch wenn sie keinen Maikönig hatten. „Es hat einfach alles gestimmt. Wir haben zusammen gefeiert, gearbeitet und wenn wir nächstes Jahr alle so engagiert mit anpacken, können wir beruhigt auf unser Jubiläum blicken.“ Trotzdem wäre es zu wünschen, dass es auch in Zukunft kein Maifest ohne Maikönigspaar geben wird.

Nachdem das Herbstfest 2004 hinter uns liegt, laufen die Vorbereitung für unser Jubelfest nun auf vollen Touren. Ich hoffe und denke, dass es ein schönes Fest wird, das nicht nur die aktiven Mitglieder und Ehrenmitglieder, sondern auch die Menschen in unserem Stadtteil erfreut und begeistert. Lassen Sie mich aber zu Abschluss meiner Chronik über die Entwicklung des Junggesellenclubs noch einmal deutlich machen, dass der Junggesellenclub „Gemütlichkeit“ nicht nur ein Verein ist, der seine Feste veranstaltet und seine Ziele verfolgt, sondern dass er ein fester Bestandteil des Vereinslebens in Arnoldsweiler ist. Es ist selbstverständlich, dass Repräsentanten des Junggesellenclubs die Feste anderer Vereine im Stadtteil besuchen und damit das Vereinsleben unterstützen und fördern. Die Teilnahme am Karnevalszug in Arnoldsweiler ist ein fester Bestandteil des Clubjahres. Auch Pfarrfeste wurden immer unterstützt, häufig durch die Übernahme des Getränkepavillons.

So trägt der Junggesellenclub bei zum Erhalt der Gemeinschaft, der Geselligkeit und des Zusammengehörigkeitsgefühls in unserem Stadtteil, wobei seine besondere Bedeutung daraus resultiert, dass er junge Menschen zusammenführt und soziale Kompetenzen fördert. Außerdem schlägt er Brücken zwischen älteren und jüngeren Generationen, denn es gab und gibt fast immer ausgezeichnete Beziehungen zwischen den aktiven Mitgliedern und den Ehrenmitgliedern, was auch das 100-jährige Jubiläum sicher erneut beweisen wird. Ein äußeres Zeichen dafür ist sicherlich die neue Standarte, die beim Festkommers vorgestellt und im Gottesdienst am Samstag gesegnet werden soll. Sie ist ein „Juwel“ und wird gestiftet von den Ehrenmitgliedern der IG Mainacht. Wir erinnern uns, dass in den achtziger Jahren Ehrenmitglieder das Aufstellen des Maibaums aufgewertet haben, indem sie nicht nur für Speis und Trank sorgten, sondern auch nach dem Winter für einen ersten Abend im Jahreskreis, der die Menschen des Dorfes am Mittelpunkt unseres Ortes zusammenführt, getreu dem Vereinsnamen „Gemütlichkeit“. Die Einnahmen aus damaliger Zeit haben in den neunziger Jahren als finanzieller Absicherung zur Rettung des Clubs beigetragen, als es ein finanzielles Tief gab und ein neuer Start gewagt wurde. Da damals gut und mit glücklicher Hand gearbeitet wurde, musste man das Geld nicht angreifen.

Die Standarte ist nun sicherlich eine gute Investition als äußeres Zeichen der großen Verbundenheit zwischen aktiven Mitgliedern und Ehrenmitgliedern zum 100-jährigen Bestehen. In diesem Sinne haben wir auch die Darstellungen der Standarte dem Titelbild dieser Festschrift zugrunde gelegt.



Das Jubiläumsjahr 2005


Festablauf / Festkommers

  1. Musikvortrag
  2. Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden
  3. Präsentation der neuen Standarte
  4. Musikvortrag
  5. Grußwort des Schirmherren
  6. Grußworte aus der Politik
  7. Musikvortrag
  8. Festansprache
  9. Musikvortrag
  10. Grußworte weiterer Gäste
  11. Musikvortrag
  12. Schlusswort
  13. Gemütliches Beisammensein

Zugweg

Aufstellung: Auf dem Driesch / Mörikestraße

Auf dem Driesch --- Talstraße --- Stefan-Zweig-Straße --- Thomas-Mann-Straße --- Bürgewaldstraße --- In der Mulde --- Trierer Straße --- Ginnizweilerstraße --- Bürgewaldstraße --- Arnoldusstraße --- Frohnhofstraße --- Auf dem Horstert --- Am Hansgraben --- Rather Straße --- | Parade | --- Arnoldusstraße bis Himmelspfeil und zurück --- Ellener Straße --- Cormeillesstraße --- Auf dem Driesch

Auflösung: Festzelt auf dem Schützenplatz


Zugteilnehmer

    Junggesellenclub
  1. Maikönigspaar 2005 (Kutsche)
  2. Jubiläumsmaikönigspaare 1955 und 1980 (Kutsche)
  3. Aktive mit Maifrauen
  4. Ehrenmitglieder
  5. Ehemalige Maikönige

  6. Ortsvereine
  7. FC Viktoria 08 Arnoldsweiler e.V.
  8. Tennisclub Arnoldsweiler
  9. KG Bedrövde Jecke 1930 e.V.
  10. Kaninchenzuchtverein R16 Arnoldsweiler 1912 e.V.
  11. St. Arnoldus Schützenbruderschaft 1587 e.V.
  12. Freiwillige Feuerwehr Düren Löschgruppe Arnoldsweiler
  13. Arnoldsweiler Turnverein 1883/06 e.V.

  14. Musikvereine
  15. Spielmannszug Eschweiler-Bergrath 1951
  16. Spielmannszug Hehlrath
  17. Bundesschützen Fanfarenkorps Korschenbroich 1956
  18. Tambourcorps Rheingold Niederzier 1989 e.V.
  19. Dudelsackgruppe Hochland Heistern
  20. Pipes and Drums
  21. Tambourcorps Einigkeit Düren e.V.
  22. Regimentsspielmannszug Die Dürwißer Jonge e.V.

  23. Maigesellschaften
  24. Maigesellschaft Lustige Buben Ellen 1923 e.V.
  25. Maigesellschaft Merken 1777
  26. Maigesellschaft Fidele Jungs Huchem Stammeln 1907 e.V.
  27. Maigesellschaft Merode e.V.

Der Festausschuss



 
      Helmut Ahsmann (1. Vorsitzender)      
Heinz Antons (2. Vorsitzender)
 
Dietmar Freier (Zugleitung)
Klaus Kluth (Zugleitung)
 
Manfred Ahsmann       Karl-Heinz Esser       Hermann-Josef Geuenich
Peter Hemgenberg Konrad Koch Frank Orkisz
Norbert Spies Hans-Peter Vlatten Karl-Heinz Wippich
 


© 2018, Junggesellenclub Gemütlichkeit 1905 Arnoldsweiler